Sonntag, 23. Oktober 2011

*clowns* und noch kein Kinderbuch



Der Wirbelwind mag Clowns. Manchmal ist er ja auch einer. Und er mag Geschichten über Clowns. Und gereimte Kinderbücher. Wie steht es mit euch und euren Kindern?

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DIE ROTE NASE


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Durch ein buntes Zirkuszelt, den Jackenkragen aufgestellt,
schleicht ganz leis' ein kleiner Clown. Sein Gesicht, das sieht man kaum.
Nur seine Augen blinzeln munter, schaun mal rauf und schaun mal runter.



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Der Clown, er glaubt sich ganz allein, stellt sich hin aufs rechte Bein,
wirft das linke schwungvoll vor bis hoch oben übers Ohr,
verliert dabei das Gleichgewicht -
Nein, balancieren kann er nicht.
Kräftig rudert er mit seinen Armen, die Schwerkraft jedoch kennt kein Erbarmen.
Er kippt nach hinten in den Sand, den linken Fuß in seiner Hand.
Der Jackenkragen rutscht zur Seite und nun sieht man es von Weitem:



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Der kleine Clown ist NASENLOS
und seine Trauer riesengroß!
Verloren hat er seine rote Nase am Morgen und das macht ihm große Sorgen.
Denn ein nasenloser Clown ist ein Niemand, nur kein Clown!

Hastig zieht er aus dem Schuh eine Karte raus im Nu.
NASENSCHATZ
steht ganz groß drauf. Schnell faltet er die Karte auf:
Handstand, Rad und Purzelbaum
entziffert unser kleiner Clown.

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Los geht die Suche, eins zwei drei,
übers Orchester nach draußen am Vorhang vorbei.

(Beim Lama muss der Clown sich ducken, will er entgehn dem nassen Spucken,
an den Affen am Bauch vorbeirobben, damit sie ihn nicht wieder foppen.)

Im Bocksprung auf des Ponys Rücken, im Trab noch einen Apfel pflücken
als Belohnung für Charlotte, damit sie hurtig im Galoppe
bereit ist ihn zu tragen heimlich vorbei an des Direktors Wagen.
Denn der Direktor würde sicher böse schaun, weil ein nasenloser Clown -
nun, die Kinder würden wohl zu Hause bleiben, da könnt' unser Clown noch so viel Faxen treiben.

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Abrupt bleibt Lotte hinterm Wagen stehen, will einfach nicht mehr weiter gehen.
Denn das Gebrüll hinter den Gittern lässt sie schauerlich erzittern.
Weit weg vom Löwen möcht' lieber sie verharren als direkt vor dem Käfig zu erstarren.
In hohem Bogen fliegt der Clown am Löwen vorbei über den Zaun
direkt auf des Elefanten Rüssel, der hebt ihn hoch zum goldnen Schlüssel -
eingesteckt und weiter geht es...

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...ins Zelt zurück, denn, ja, so steht es
in der Karte:

Auf den Händen vor vier Schritte, Räder schlagen bis zur Mitte,
Rolle vor und rückwärts gehen, einmal um die Achse drehen,
nun die Hände auf die Schuhe

und - fürwahr! - da steht die Truhe!

Der Clown hält sich den Bauch vor Lachen:
Nasen, Nasen über Nasen!

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Er probiert die erste an -
Da schau her! Der Weihnachtsmann!
Hohoho!
brummt seine Stimme. Doch es kommt noch sehr viel schlimmer:
Sein Bauch bläht sich bedenklich auf, eigentlich sieht's lustig aus,
doch wie ein praller Luftballon fliegt der arme Clown davon!

Schnell reißt er ab die fremde Nas', damit entweiche dieses Gas.
Durch die Manege saust der Clown, das wird er sich nie wieder traun!
Unvermeidlich ist der Sturz, und mit einem lauten F...
landet er unsanft vor der Truhe!

Ruhe.

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Der Popo tut ihm höllisch weh und aus dem Socken guckt ein Zeh.
Der Clown aber schaut erleichtert aus der Wäsche.
Welche Nase ist die nächste?
Die lange da mit Warze drauf? Und sogleich setzt er sie auf -

Sein Rücken wird so krumm und schief. Und seine Stimme ächzt so tief.
Hehehe!
krächzt's aus ihm raus. Oh, wie sieht er häßlich aus!
Ihm wird selbst ganz angst und bang, das erträgt er nicht sehr lang!
Sein Leben nun als Hexe fristen?

Nein! - Zurück mit der Nase in die Kiste!

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Ernüchtert wühlt er in dem Haufen, doch es ist zum Haare Raufen!
Unter all den vielen Zinken lässt sich kein runder roter finden.
Der kleine Clown, er gräbt und sucht, fast hätte er dabei geflucht.
Kasperlnasen lang und kurz, doch die sind ihm alle schnurz.
Große, dicke, schmale, kleine,
aber keine ist wie seine.

Die da sieht ganz lustig aus...

Und aus dem Haufen zieht er raus
ein komisch Etwas, gelb rot grün,
die eine will er noch probiern -

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Sogleich fängt er zu zwitschern an.
Der kleine Clown ist wirklich arm!
Seine Arme flattern wild.
Nein, das ist kein schönes Bild.
Wie verrückt hüpft er im Kreis rum, auf und nieder.
Um die Nase abzureißen, verrenkt er sich die Glieder.
Mit Mühe nur gelingt es ihm!

Erschöpft schmeißt er das schreckliche Ding
in die Truhe, Deckel drauf!
Unser kleiner Clown gibt auf.

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Nun kauert er, der Trauerkloß, vorwurfsvoll und hoffnungslos,
vor dem Schatz, der keiner ist, weil er trotz allem so vermisst
die EIGNE Nase, das Lieblingsstück.
Nur SIE braucht er zu seinem Glück.

Bin ich ohne Dich noch ich?

Und er erkennt nun mit Entsetzen, durch gar nichts ist sie zu ersetzen.
Acht geben hätt' er auf sie sollen, dann wäre sie jetzt nicht verschollen.
Zu spät! Jetzt ist sie fort, für immer. Da hilft kein Schrein und kein Gewimmer.
Mutlos lässt den Kopf er sinken, zum Abschied will er leise winken.

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Da spürt er einen Arm um sich und erschrickt ganz fürchterlich.

Lächelnde Augen unter dem Zylinder, der Schnurrbartmund, der lacht nicht minder:

Ach du, mein lieber kleiner Clown!

Du musst doch nicht so traurig schaun!
Nicht eine Nase, rot und rund, nicht ein angemalter Mund
macht dich zu dem, den wir so lieben - 
ich könnte keinen Bessren kriegen!
Denn du allein bringst uns zum Lachen,
die Nase selbst würd das nie schaffen!
Sie ist Staffage nur, 'ne schöne Zier. Kopf hoch, grosser Clown, vertraue mir!

Staffage nur, 'ne schöne Zier...

Trotzdem, Herr Direktor, fehlt sie mir...

Da plötzlich...

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...zappelt's unterm Hut.
Und dann hören sie es, leis', doch gut.
Der Clown reißt die Augen auf und freut sich, denn nun hört er's laut und deutlich:

Dieses Quietschen kennt er doch!
Das war's, was er so gern gemocht!

Ganz schnell zieht er den Hut vom Kopf und tastet mit der Hand am Schopf:

Ganz versteckt im wirren Haar liegt SEINE rote Nase da!

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Was für ein schönes Clownsgesicht!
Überglücklich der Clown spricht:
Warum hast du dich nicht früher schon gerührt?
Du hast mich ganz schön an der Nase rumgeführt!

Werd nie mehr solche Sachen machen!
schwört die Nase auf all die falschen Nasen und muss lachen.

Du Schelm!
droht lachend da der Clown und schneidet endlich wieder fröhliche Grimassen:
Ich werd nie mehr aus dem Aug dich lassen!

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So kommt es,
dass der kleine Clown
mit einem Aug
nun schielt beim Schaun.


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(Entwurf zu einem Vorlesebuch mit Bildern. Text und Illustration: Dania H. 2010/2011; Text und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Die Rechte liegen beim Blog-Inhaber. Jedwede Verwendung, außer zu rein privaten (Vor)lesezwecken, ist nur mit meiner ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung gestattet.)

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Ich habe schon länger überlegt, ob ich diesen Text hier veröffentlichen soll.
Er liegt ja jetzt schon länger (mehr oder weniger) fertig in der "Schublade". Immer wieder beginne ich mit dem Illustrieren, habe aber den richtigen Weg noch nicht so ganz gefunden...
Und ich bin ein bißchen ängstlich. Wie werdet ihr den Text finden? Hat den Kindern der Text zugesagt?  Konnten sie etwas damit anfangen? Oder ist er doch zu "oldfashioned"? Oder zu unliterarisch? Konntet ihr zusammen darüber lachen?
Aber da muss ich jetzt durch, nun ist er raus, der Text...daher...
Bin gespannt auf eure ehrlichen Kritiken und die eurer Kinder!

Eure Dania

Kommentare:

  1. Hi!

    Oh, du hast hier wieder sooo schöne Fotos - dein Garten ist wirklich eine Wucht. Ach ja, ich liebe dieses Tor - herrlich!

    Ich werde mal deine Geschichte testen - von der Kleinen wirst du dazu noch keine Reaktion bekommen - mit einem Jahr!*g Aber mal sehen, was der große sagt.

    Liebe Grüße LOLO

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  2. Hallo Dania,
    ich kenn das Gefühl, man hat einen kleinen Schatz in Händen (das hast du wirklich) und weiß nicht, ob man ihn einer anderen Meinung ausliefern soll!
    Gerade diese Sprache kommt meiner Erfahrung nach, sehr gut bei Kindern an. Ab und zu hakt dein Reimschema ein bisschen, aber die Grundidee ist so wunderbar und auch die Umsetzung. Illustriere es bitte ganz bald!
    Danke, dass du dich getraut hast und einen wunderschönen Abend wünsche ich dir!
    Gruß vom Frollein

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  3. Liebe Dania,
    ich mag deine Bilder und den Text sehr - kann zwar kein Kind testen lassen, bin aber selber Kind geblieben... wenn das Feedback auch zählt :-)
    Liebe Dank für deine Mail bzgl. technischer Probleme. Genau das, was du beschreibst, habe ich gestern im Forum ausfindig gemacht, deshalb klappt's jetzt wieder. Herzliche Grüße ins verwunschene Schloss, Anja.

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  4. Hallo Dania,
    meine Kinder sind (leider) schon erwachsen.
    Aber mir gefällt der Text sehr gut!
    Es läßt sich sehr gut lesen und vorlesen (habe es für mich laut gelesen)!
    Ganz toll, ein wunderbares Talent hast du:-o
    LG
    Lotta

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  5. Hallo Dania, ich finde den Text sehr gut, leider ist meine kleine Nichte nun schon weg und ich kann ihr diese schöne Geschichte nicht mehr vorlesen. Ich persönlich finde die Geschichte etwas langatmig...ich würde es aufteilen - vielleicht in drei Schritte/Kapitel. Die Zeichnungen dazu sind zauberhaft. Die sind doch von dir? Daran würde ich auch festhalten. Mach weiter so.
    Liebe Grüße,
    Kilchen

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  6. meine liebe dania!
    ich möchte auch was sagen! ;)
    ganz ehrlich.
    die bilder dazu sind ja eh immer mein liebstes ;) mach unbedingt weiter. der text beginnt toll, stellenweise find ich es etwas schwierig, manchmal reimt es sich nicht "flüssig". aber es wäre wichtig, welches alter es ansprechen soll. wenn ich daran denke, les ich es mal der motte vor. auf jeden fall find ich die geschichte genial. die idee so süß! ich könnte mir vorstellen, wenn du dich traust, die bilder weiter umzusetzten, werden dir reime noch einmal anders...
    gott, ich drück mich immer so dumm aus.
    hoffe, das ist i.o. so!
    ich drücke dich und dir die daumen!
    steffi

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  7. .... sehr beeindruckend!!!

    Ich habe leider keine Kinder, die das beurteilen könnten, aber ich denke mir, dass es sehr gut ankommen wird!!!

    ♥♥♥

    Liebe Grüße
    Katja

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  8. Meine Liebe,
    1A!!!!
    Meine "Kleine" (sie ist ja schon 8 )hat ganz gebannt zugehört!!!
    Und ich musste es gleich noch einmal vorlesen!
    Liebsten Gruß
    Sandra

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  9. Liebe Dania! Das werde ich meinem kleinen "Clown" morgen vorlesen und ich bin mir sicher ihm gefällt es!
    Wunderbar geschrieben & wunderschöne Bilder! Fertig machen und ab zum Verlag damit! Das muss man kaufen können!!
    Sag bescheid, wenn es soweit ist! Ich kaufe es sofort!!
    Herzlichst, Irene

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  10. Liebe Dania,
    ich find's wunderschön! Meine Kleine ist wohl schon ein wenig zu groß. Ich finde die Geschichte wunderbar, nur das Reimen klappt nicht immer flüssig. Die Zeichnungen sind genial, ich würde gerne noch das Clownsgesicht sehen :o)
    Ich bin sehr gespannt, was aus dieser Geschichte wird, halte uns ja auf dem Laufenden.
    Ganz ♥liche Grüße, Iris

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  11. ... motte gefiel es. vor allem wegen der reime... aber einige wörter musste ich 2 x sagen.
    kann aber auch an ihr liegen!
    ;))

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  12. Ich nochmal, hab die Geschichte nochmal meiner großen "Kleinen" (14J.) vorgelesen. Sie findet's klasse, möchte nur gerne noch den ganzen Clown inkl. Nase sehen :o)
    ♥ige Grüße, Iris

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  13. Hallo Dania, die Stelle mit der Nasenanprobe gefällt mir sehr gut. Also ich würde sage, mach weiter so. Ich vermute mal, die Unterteilungen im Text deuten die Doppelseiten an? Und hast du noch mehr Zeichnungen? Hast du schon mal Verlage angeschrieben? Oder hast du das vor?

    Fuchs – wir müssen dann wohl virtuell leuchten.

    LGaMubb.T

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  14. Ich hab gerade deine antwort bei Tabea gelesen.
    Wer kauft eigentlich die Bücher, die Kinder oder die Eltern. Eltern kaufen oft an ihre Kindheit orientiert und gerade Reime haben für Kinder, wie schon gesagt einen besonderen Reiz. ich muss es wissen, ich arbeite mit Kindern.
    Außerdem: Castingshow, wirklich?
    Also bitte, hätte ich Kinder, würde ich nicht wollen, dass sie sich in die merkwürdige Welt einer Castingshow hinein versetzen. Welche Lehre würden sie daraus ziehen, dass nur der beste gewinnt oder der, der ins Format passt. Also den zuständigem bei diesem Verlag würde ich gerne mal was erzählen.

    Die Idee deines Buches ist so wundervoll und schön. Die haben mit Verlaub gesagt keine Ahnung welchen Schatz (den man wie schon gesagt noch ein klitzkleines bisschen putzen muss) sie da abgelehnt haben.

    Empörter Gruß vom Frollein

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herzlichen dank für deine zeit und deine worte!