Mittwoch, 5. Juni 2013

In meinem Garten...

Heute Vormittag ging ich in meinen Garten. Nicht in den vor dem Haus. Nein, in meinen Garten in mir drin.
Vor mir lag ein unbestelltes Feld, braunschwarze krümelige Erde. Nicht groß, aber groß genug, um mich bequem der Länge nach mitten hineinzulegen und mich entspannt auszustrecken. Und dann spürte ich es am ganzen Oberkörper, auf den Armen, am Hals, im Gesicht, die Situation des gesamten vergangenen Jahres, die sich wie ein schweres lähmendes Kettenhemd über meinen Körper legte, mir die Sicht nahm, den Raum zum Leben, die Luft zum Atmen. Mit der ganzen Energie, die ich aufbringen konnte, riss ich das Kettenhemd von mir und schleuderte es in den dunklen Himmel über mir, wo es hängen blieb als Bild aus funkelnden Sternen. Ich stand da und betrachtete es. Betrachtete sein Funkeln, als die Sterne glitzernd und tanzend begannen herunterzufallen. Ich breitete meinen Rock aus und fing die Funkelsteine darin auf. Ein Häufchen glitzernder Samen lag in meinem Rock, gerade mal eine Handvoll. Ich nahm behutsam die Samen in beide Hände, streute sie auf die warme feuchte Erde rund um mich und wartete. Anfangs passierte nichts. Doch dann begann es rund um mich zu sprießen. Kleine grüne Spitzen schoben sich aus der Erde, öffneten sich zu kleinen grünen Blättern. Und plötzlich ging alles ganz schnell. Zielstrebig schossen die Stängel in die Höhe, wanden sich leicht, strebten immer mehr aufwärts und endeten in großen gelb leuchtenden Blüten, die, mir zugeneigt, ihre Köpfe schaukeln ließen. Staunend saß ich zwischen den starken Stängeln, die wie ein lichter Wald um mich standen, sog den zart süßen Duft ein, den die Blumen verströmten. Meine Augen tranken das warme Gelb. Meine Hände berührten die Struktur der Stängel, pflückten eins der Blütenblätter und führten es an meine Lippen, die vorsichtig kosteten. Es schmeckte süßlich, nach einer Mischung aus Marillen, Pfirsichen, Rosen, Lavendel und Rosmarin. Das Blatt stärkte mich und ich setzte mich auf. Da erst bemerkte ich ein Reh, das mich vom Rand des Feldes aus beobachtet hatte. Es kam zu mir, strich um meine Beine und führte mich aus dem Blumenfeld hinaus durch einen Wald auf eine wunderbare sonnige Lichtung. Vor mir breitete sich in sanfter Hügellage eine herrliche Naturwiese aus, mein Blick war frei und weit nach Süden, Osten und Westen. Ich spürte, wie meine Füße mit dem Boden unter mir verwurzelten, wie mein Atem frei wurde, wie meine Beine, mein Körper in die Länge zu wachsen schienen, wie leicht sich meine Arme ausbreiten ließen, wie die Sonne mein Gesicht wärmte. Ich drehte mich mit ausgebreiteten Armen und geschlossenen Augen, nach Osten, nach Süden, nach Westen. Als ich im Norden angekommen war und meine Augen öffnete, stand es vor mir. Das Haus. Zweistöckig. Langgestreckt. Mit großen freundlichen weit geöffneten Fenstern, heller Fassade. Hinter sich schützend und Ruhe schenkend der Wald. Und als ich genauer hinsah, kam gerade der lachende Wirbelwind über einen Waldweg gelaufen, mit einer Schultasche in der Hand, begleitet vom Künstler, der glücklich und befreit wirkte...

Mitte der Woche. Entschleunigung übend und herbeisehnend. Meine Mitte wiederfindend. Ruhe tankend. Meditierend. Wachsen lassend, was im inneren Garten wächst...


Mittwoch im Mittelpunkt nach einer Idee von Éva.

{Edit: Die "Gartenmeditation" kann jeder machen. Legt euch dazu Entspannungsmusik auf und legt euch gemütlich auf den Rücken. Genauere Details zum Entspannen und für Fantasiereisen findet ihr zum Beispiel bei Sabine. Im Gegensatz zu Fantasiereisen ist diese Meditation keine geführte. Alles, was auf dieser Reise passiert, entsteht in diesem Moment in euch. Wandert durch euren inneren Garten. Seht euch um. Dann legt euch in das unbestellte Feld. Lasst die Gefühle zu, die euch belasten. Das ist bei jedem anders und jeder wird sie woanders am Körper spüren. Und auch das Symbol für das Gefühl, bei mir das Kettenhemd, wird bei jedem ein anderes sein. Manchmal kann man es nicht gleich definieren und oft erkennt man das Symbol erst, wenn es am Himmel prangt. Reißt das Gefühl von euch und schleudert es an den Himmel. Führt dabei wirklich die Bewegung mit den Händen aus, das hilft. Wenn ihr die Samen sät, gebt ihnen Zeit. Führt auch dabei die Bewegung tatsächlich aus. Und dann beobachtet, wie eure Pflanze wächst - es sind Pflanzen, die "heilend" zu euren belastenden Gefühlen passen. Genießt eure Pflanze mit allen Sinnen. Berührt sie, riecht sie, kostet sie - es sind nie giftige Pflanzen, die auf diesem Feld wachsen! Nehmt wahr, was sich in eurem Körper verändert, wie euch eure Pflanze innerlich stärkt. - Normalerweise ist die Meditation hier aus. Es war Zufall, dass sich mein "Krafttier" dann plötzlich dazugesellt hat. Auf solch einer Meditationsreise kann viel ungeplantes passieren - immer Gutes, euch Stärkendes! - Viel Freude mit dieser kleinen Reise wünsche ich euch, Reinigendes und Entspannendes!}

Kommentare:

  1. könnte einfach noch weiteRweiteRundweiteR lesen .... so wohltuend. die woRte. jedes einzelne. meRci.

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  2. so soll es werden, liebe dania, ich wünsche es euch. und leichtigkeit vor allem.

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  3. noch ganz geschockt von dem zelt vor eurem fenster freue ich mich jetzt sehr darüber, dass du dieses gräßliche kettenhemd abgestreift hast und versuchst, gelassen in die zukunft zu schauen. ich drücke dir ganz, ganz doll die daumen! herzliche, kraftspendende grüße von mano

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  4. Wie schön ! Ich dachte auch gleich beim Lesen : So wird es sein !
    Believe.........
    Liebe Grüße
    Ute

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  5. Klingt gut ich drücke ganz fest die Daumen, dass sich dein inneres Bild finden lässt.
    Und so ein Schneckenhaus ist doch immer schön, auch mal zum zurückziehen und träumen.
    Liebe Grüße vom Frollein

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  6. Das wünsche ich dir sehr!

    Liebe Grüße

    Margarete

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  7. was für ein geschenk das du uns da machst!!
    ich werde diese worte sicher noch viele male lesen!
    xxjulia

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  8. Ich wünsche es dir ganz fest!

    Ursula

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  9. Liebe Dania,

    sehr schön - und wohltuend Dein Ausflug! Im Moment genieße ich, wenn irgend möglich, die warme Sonne um mein Akku innerlich mal ein wenig aufzuladen. Das ist derzeit leider ziemlich leer.

    Herzliche Grüße mit abendlichen Sonnenstrahlen,

    Sabine

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herzlichen dank für deine zeit und deine worte!