Montag, 17. November 2014

november°tage


° ein gemütliches selbstveranstaltetes laternenfest liegt hinter uns. dafür haben wir gemeinsam verschiedene
   lichterhüllen gebastelt und der wirbelwind hat feine martinskipferl nach kindergartenrezept gebacken.

° eine woche für die waldpädagogenausbildung notwendige "forstwirtschaft für neueinsteiger 2" liegt hinter
   mir und etliche starke bäume liegen nun auch darniedergestreckt und fertig entastet und abgelängt für den
   handel am waldboden. meine gefühle dabei waren sehr durchmischte. einerseits war da die trauer um den
   schönen tannenbaum, andererseits aber doch auch ein gewisser stolz, den "vorhänger" fachgerecht und
   zielgenau zwischen den anderen baumwipfeln hindurch umgeschnitten zu haben. der wald ist halt nicht nur
   romantisch, sondern birgt für den eigentümer auch arbeit und manchmal eben auch eine gewisse traurigkeit
   beziehungsweise wehmut, wie doch zumindest ein vortragender forstwirt heraushören ließ. andererseits
   stellt der wald für die meisten besitzer lebensgrundlage dar und kommt in seiner erholungsfunktion gerade
   durch die forstliche und hierzulande nachhaltige bewirtschaftung und pflege nicht allein durch das anlegen
   von rückegassen und forstwegen insbesondere auch spaziergängern und wanderern zugute. und ganz
   ehrlich: ich habe gerne möbel und utensilien aus holz um mich herum und holzfußboden unter meinen füßen.
   all dies erhält man nur durch das fällen gesunder bäume. außerdem fördert das fällen einzelner stämme
   wiederum das wachstum junger bäume, die meist aus naturverjüngung nachwachsen und nur nach oben
   drängen können, wenn sie licht bekommen. in österreich wächst übrigens jährlich mehr wald zu als
   entnommen wird. trotzdem, wenn man bedenkt, wie lange ein solcher baum zum wachsen braucht und in
   welch kurzer zeit er durch menschenhand zu fall gebracht wird, und wenn man das dumpfe geräusch beim
   aufprall hört, ist der stolz doch getrübt. wahrscheinlich gewöhnt man sich daran als forstwirt, genauso wie
   sich ein landwirt daran gewöhnt, dass seine liebevoll gepflegten tiere eines tages als schönes stück fleisch
   auf dem teller landen... 

° gesehen habe ich - herzhüpfend -seit langem wieder einmal einen feuersalamander.

° genossen habe ich das leuchtende buchen-, elsbeer- und eichenlaub. in unserem auwald sind alle drei
   baumarten entweder gar nicht oder nur selten anzutreffen.

° gesammelt habe ich tannen- und fichtenharz zum raunachträuchern, reisig für den adventkranz - in zwei
  wochen ist ja schon advent, huch!, knospenzweige zum lernen für die prüfung im frühjahr, sowie etliche
  schöne blätter für...

° ...weitere gelatine-drucke wie den obigen. angeregt durch die adventpostaktion von tabea, bei der ich
  allerdings aus zeitgründen nicht mitmache, entstanden erst test- und neugiershalber, dann aus begeisterung
  an  zwei langen küchenabenden meine ersten zehn "november°tage". verwendet habe ich die
  frischhaltefoliezerknitterte und unbeschnittene rückseite des gelatineblocks, acrylfarbe in schwarz, weiß und
  verschiedenen brauntönen, gouache in schwarz und weiß und herbstlaub. gedruckt habe ich auf
  naturfarbenem lieblingszeichenpapier wie oben    und auf hauchdünnem japanpapier, das ich anschließend
  gerissen habe und mit buchbinderleim auf festes trägerpapier aufgezogen habe - fotos davon gibt es noch
  keine.
  mich fasziniert an der technik, dass auch bei verwendung gleicher oder sogar derselben materialien jeder
  druck einzigartig wird. die mehr oder weniger kontrollierbare zufälligkeit kommt meinem sonstigen
  zeichenperfektionismus ähnlich wie beim bildhaften filzen entgegen. meiner ungeduld und dem meist durch
  zeitmangel bedingten fehlenden durchhaltevermögen betreffend kleiner serien kommt wiederum die
  einfachheit und schnelligkeit, in der sich mehrere bilder hintereinander verwirklichen lassen, entgegen.
  ihr merkt, die von tabea vorgestellte technik fesselt mich ganz und gar und wird mich noch so einige
  abende im küchenatelier verbringen lassen. und vielleicht wandert ja auch das ein oder andere originalwerk
  mal wieder in den waldtopf (oder doch lieber in den  shop??).

° apropos. erinnert ihr euch an die wintergrußkarten? für den kommenden winter ist eine neuauflage
  geplant. eine grußkarte inklusive kuvert wie hier gezeigt und beschrieben kostet € 3,90 +
  versandkosten (€ 1,- innerhalb österreichs und € 1,50 ins eu-ausland und die schweiz). gerne nehme ich bis
  26.11.2014 eure vorbestellungen via brieftäubchen (rechts in der sidebar) entgegen.
  die hälfte der einnahmen wandert wieder in den wald°förder°topf für die seit anfang november wöchentlich     stattfindenden, von mir unter anderem dank euch begleiteten kindergarten-waldvormittage.

einen guten wochenbeginn wünsche ich euch allen! mich trefft ihr heute wieder im wald ;)

Kommentare:

  1. Guten Morgen
    Was für ein schöner Bericht! Viel Spaß weiterhin, auch wenn nicht alles gleich gerne gemacht wird...
    Witzig, bei Deinem Bild oben habe ich beim ersten Mal etwas komplett anderes gesehen, Du wirst bestimmt lachen - einen Elefanten :-)
    liebe Grüße von Petra

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  2. Dein Druck lässt mich nun doch an meiner Entscheidung zweifeln, nicht mitzumachen, denn er gefällt mir ausnehmend gut!
    Viel Freude im Wald!
    Astrid

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  3. Was für ein Spaziergang in deine Novembertage im Wald... Ohne forstlichen Eingriff funktionierende Naturverjüngung habe ich neulich in der Granitz auf Rügen gesehen, und wurde an den Film "Das Geheimnis der Bäume" erinnert und daran, dass nicht alle deutschen Wälder forst- und konsumwirtschaftlichen Prämissen genügen müssen, sondern allein der Landschafts- (hier der Küsten-)erhaltung dienen und der Erholung. Deinen Druck finde ich auch über die Maßen schön, auch in seiner November-Farbigkeit... Als ich deinen Post aufschlug, sah auch ich erst einen Elefanten..., die globale Perspektive des Waldes ;-). Ich mache bei der Adventspost mit und sollte nun auch mal daran gehen auszuprobieren... ;-) Liebe Grüße Ghislana

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    1. PS - ach ja, natürlich ziehe auch ich holzmöbel jedem anderen werkstoff vor, betrachte holzmöbel aber auch als ausgesprochene "anschaffung fürs leben", manchmal für drei leben, denn der gefährte hat noch erstklassige (und sehr schöne) möbel seiner großeltern..., aber so zu denken, das ist im zeitalter von "hip" und "trend" und "in" leider auch etwas "aus der mode" gekommen, zu lasten des holzverbrauchs... den winter über arbeite ich ein altes vom sperrmüll "entwendetes" rundes tischchen auf für den garten...

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  4. Den Wald-Bericht kann ich so übernehmen...kaum einer weiß,wieviel Arbeit ein Privatwald macht und dass es schwer ist,daraus eine Existenzgrundlage zu erwirtschaften!Und dass nicht alles nur Romantik ist...Und dass der Waldarbeiter nicht zum Spaß schöne Bäume umsägt...
    (wir haben ja auch Wald)
    Den Gelatinedruck möchte ich auch mal ausprobieren,das sieht total interessant aus!LGKatja

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  5. Mir geht es da wie Ghislana, Holzmöbel sind für uns Anschaffungen fürs Leben - und werden uns beim Auszug der Töchter nach und nach dann auch noch abgeschwatzt ;-) Mir tut Holzschlag jedes Mal auch weh, tröstlich nur, wenn ich sehe, wie an derselben Stelle wieder sorgsam aufgeforstet wird. Oder wie der Landwirt, der alte Bäume auf der Streuobstwiese fällte, sie im folgenden Jahr mit jungen Bäumchen ersetzte. Eine Investition in die Zukunft.
    Auf deine Winterkärtchen freue ich mich schon!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. wow, der druck ist so schön. ich hab die technik auch bei tabea schon bewundert und versuche, mich daran zu erinnern, wenn wieder etwas mehr luft zum experimentieren ist. was du über das baumfällen schreibst, kann ich so gut nachfühlen. ich liebe es auch, auch außerhalb des waldes von holz umgeben zu sein, aber zumal lebendige bäume in wohnungen etwas unhandlich sind, führt um das fällen kein weg herum; und immer beruhigend ja, dass es wohl einfach so sein muss :)

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  7. Ich liebe die Arbeit des Holzmachens. Im Moment wo ich daran nicht beteiligt bin fehlt sie mir sehr. Das Rumsen wenn ein Mächtiger zu Boden geht - ein komisches Gefühl. Das ich mit Dankbarkeit aufwiege, wie bei den Tieren auch. Es ist in Ordnung, wenn man nicht nur nimmt, sondern auch gibt. Wenn man auf die Balance achtet. Wenn man sich sagt, dass das was entnommen wird Raum für Neues schafft... sind es doch nur Worte. Das Rumsen hallt trotzdem weiter nach.
    Herzlichen Gruß!

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  8. So schön, der Druck. Die Farben passen so wunderbar zur Jahreszeit. Dir liebe Grüße aus der waldlosen Stadt...
    Mond

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  9. Der Druck ist Dir wunderbar gelungen! Mich juckts in den Fingern! Obwohl ich auch nicht bei der Advebtspost dabei bin, steht der Gelantine -Druck auf meiner Liste ganz oben.
    Liebe Grüße vom alten Holzstuhl vorm Holzfeuer:-)
    lisa

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  10. dein druck ist wunderbar! ich habe mir gerade eine dauerhafte gelatineplatte hergestellt und will bald damit anfangen zu drucken - bin sehr gespannt!
    daran, das bäume gefällt werden müssen geht wohl kein weg vorbei, obwohl es mir auch immer fast das herz zerreißt, wenn so ein alter riese zu boden geht. aber ich mag ja auch holz zu hause und schließlich leben wir in einem holzhaus und heizen teilweise mit holz. was ich aber nicht abkann, ist daß - hier gerade auch im elm - ein ziemlicher kahlschlag betrieben wird. rücksichtslos wird mit riesigen maschinen alles niedergemacht, was im weg zu den zu fällenden bäumen steht. der boden wird völlig verdichtet, alle spazierwege vermatscht, bäume und äste liegen tagelang über die wege hinweg, der wald ist teilweise völlig leergeräubert. so dreht sich halt heute auch in der forstwirtschaft alles nur noch um geldscheffelei. unter dem motto: nach mir die sintflut!!
    nichtsdestotrotz bewundere ich deine baumfälltätigkeit. ich wär da eher ein hosenschisser!!
    herzliche grüße von wald zu wald, mano

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  11. Ich habe mich dieses Jahr auch gegen das Mitmachen bei der Aktion entschieden, um etwas Druck aus der Vorweihnachtszeit zu nehmen. Außerdem wusste ich nicht recht, ob diese Gelatinedruckgeschichte was für mich ist. Aber wenn ich Dein Bild sehe, wow, das ist toll geworden. Ich glaube, ich muss mich doch mal ranwagen. Vielleicht nach Weihnachten. Aber tausend Dank fürs Zeigen, das motiviert sehr.
    Ganz herzliche Grüße, Martina

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  12. Liebe Dania,
    wie viel Freude mir dieser Post bereitet hat. Dass Du einen Feuersalamander gesehen hast (ich leider schon seit 20 Jahren nicht mehr), Deine Schilderung und Gedanken über den Forstwirtschaftskurs und nicht zuletzt Dein Tipp zur Gelatinetechnik. Dein Druck ist einfach umwerfend schön geworden. Ich hätte auf aufwändigen Linoldruck getippt und bin jetzt auch ganz kribbelig.
    Herzliche Grüße zu Dir und dem hoffentlich bald zahnlosen, großen Wirbelschulkind!
    Sonja

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  13. Liebe Dania,
    mag die Stofflichkeit deines Druckes sehr. So wie auch das feine Hell-Dunkelspiel. Danke für den Tipp zur Gelatinedruck. Ich kannte den Technik noch nicht.
    Liebe Grüsse,
    Frau Sepia.

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herzlichen dank für deine zeit und deine worte!